Der hat dies gesagt, die hat jenes gesagt, so etwas sagt man nicht. Es scheint, als sei man momentan in einem Zustand der permanenten Hysterie. Man regt sich über alles Mögliche auf, nur um zu sagen, wie unmöglich das doch sei. Ich habe den Eindruck, das politische und gesellschaftliche Establishment befindet sich in einem Zustand der permanenten Schnappatmung.

In den letzten Jahren hat es immer mehr rote Linien, die man nicht überschreiten darf, gegeben. Warum eigentlich? Rote Linien dienen nur dazu, fehlende Argumentationsfähigkeit und -willen zu ersetzen. Prima! Wieder eine Diskussion gespart, für die man keine guten Argumente hat. Dieser unsichtbare Maulkorb wird immer öfter abgestreift und man sieht sehr schnell, wer argumentieren kann und wer nicht. Wer sich der Fäkal- oder Gossensprache bedient (z.B. Frau Nahles), disqualifiziert sich im politischen Diskurs.

Denken Sie einmal an die Streitkultur eines Herbert Wehner oder Franz Josef Strauß. Da ging es zur Sache, ohne jedoch sprachlich abzugleiten. Ich wünsche mir endlich wieder eine gute Streitkultur ohne Denk- und Sprachverbote. Das würde jedoch hohe Anforderungen an den Intellekt und die Ausdrucksfähigkeit aller stellen. Eine Kostprobe hat Frau Nahles bereits gegeben. Da wünscht man sich, sie hätte gar nicht erst den Mund aufgemacht. Dabei gibt es so viel, worüber wir dringend offen reden müssen.