In meiner persönlichen Welt hätte es den Weltfrauentag lange nicht geben müssen. Mir wurde von klein auf in Elternhaus und Schule vermittelt, dass physische Unterschiede keine Rolle spielen, sondern der Intellekt das einzige Kriterium sei und aufgrund dessen wir uns mit den Männern auf Augenhöhe bewegen. Es war eine Selbstverständlichkeit, den Beruf zu ergreifen, den man wollte, und überhaupt konnte ich für mich die gleichen Freiheiten in Anspruch nehmen wie mein jüngerer Bruder. Erst im Laufe der Jahre machte sich bei mir die Erkenntnis breit, dass diese Annahme keine von der Natur gegebene Selbstverständlichkeit ist, sondern auf der Kooperationsbereitschaft der Männer beruht, die von den Frauen mühsam erstritten wurde. Auch heute gibt es noch einiges zu tun. Immer noch verdienen Frauen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent weniger als Männer. Weil sie Kinder erziehen, verzichten Frauen oft auf Einkommen und machen Abstriche bei der Karriere. In der Regel sind es auch Frauen, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Sie tun dies ohne Lohnersatzleistung und sie tun dies gern. In der Folge sind wir Frauen mit der Bewältigung des familiären und beruflichen Alltags derart ausgelastet, dass wir einfach zu müde sind, um gegen diese Ungerechtigkeiten auf die Barrikaden zu gehen. Vergessen sind sie aber nicht. Allen Leserinnen alles Gute zum Frauentag.