Dass ich mich einmal mit Videoüberwachung im öffentlichen Raum anfreunden könnte, hätte ich mir zu meiner Jugendzeit nicht träumen lassen. Wahrscheinlich liegt das am Gewöhnungseffekt, denn die Überwachung durch Kameras nehme ich nicht einmal mehr bewusst wahr. Ob in der Bank am Geldautomat, in Geschäften oder an Tankstellen, Überwachungskameras gehören heute längst zum Alltag. Tatsächlich kann die Videoüberwachung öffentlicher Räume ein geeignetes Mittel sein, um an Orten mit hoher Kriminalitätsrate Straftäter abzuschrecken oder die Aufklärung von Straftaten zu ermöglichen. Allerdings ist sie kein Allheilmittel und natürlich können nicht alle Verbrechen damit verhindert werden. So fühle ich mich trotz Kameraüberwachung in einem menschenleeren Parkhaus unwohl. Früher wäre mir im Fall des Falles vielleicht ein Kassierer zu Hilfe geeilt, doch heutzutage ist dieser längst wegrationalisiert und durch einen Automaten ersetzt worden. Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen steigert mein persönliches Sicherheitsempfinden daher nur dann, wenn auch jemand das Geschehen am Monitor verfolgt und gegebenenfalls sofort zur Hilfe eilt und eingreift. Die Bilder aus den Kameras müssen in Echtzeit gesichtet und ausgewertet werden, damit schnelle Hilfe möglich ist. Ohne mehr Polizei wird das nicht funktionieren. Wenn dies der Preis ist für mehr Sicherheit, bin ich bereit ihn zu zahlen.